Die Bürgergemeinde Chur schafft bezahlbaren Wohnraum für Familien
Wo heute Wiesen die Rheinebene prägen, wuchs einst Hanf. Das Gebiet «Hanfländer» in Haldenstein verdankt seinen Namen einer Zeit, in der dieser Boden Lebensgrundlage und Identität zugleich war. Bald wird er das wieder tun – anders als früher, aber mit demselben Grundgedanken: Raum schaffen, in dem Menschen wurzeln können.
Eine Region unter Druck
Wer heute in Chur eine Wohnung sucht, kennt das Gefühl: lange Wartelisten, steigende Mieten, wenig Auswahl. Besonders Familien geraten zunehmend unter Druck. Eine Vier-Zimmer-Wohnung zu einem fairen Preis zu finden, ist in der Region zur Herausforderung geworden. Die Bürgergemeinde Chur kennt diese Realität und handelt. Andrea Thür-Suter, Bürgermeisterin der Bürgergemeinde Chur: «Wir sehen, wie schwierig es für viele Familien geworden ist, in unserer Region eine Wohnung zu finden, die zum Leben passt und die man sich auch leisten kann. Genau hier wollen wir ansetzen.»
Das Projekt «EQUILIBRIO»
Im Gebiet Hanfländer in Haldenstein realisiert die Bürgergemeinde Chur nach «Vier Jahreszeiten» ihr zweitgrösstes Wohnbauprojekt. Den vorausgegangenen privaten Projektwettbewerb hat Fanzun AG gemeinsam mit Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich, mit dem Projekt «EQUILIBRIO» gewonnen. Die Jury würdigte das Projekt mit klaren Worten: «EQUILIBRIO ist eine hervorragende und innovative Lösung zur gestellten Aufgabe. Vom Siedlungskonzept als Ganzes über den Aussenraum und die Wohnungsangebote bis hin zu ersten konstruktiven Überlegungen wird ein konsequentes Thema verfolgt, das eine ausgesprochen hohe Wohnqualität verspricht.»
Im Zentrum stehen Familienwohnungen: Rund zwei Drittel der geplanten Wohnungen sind als Vier- bis Fünfeinhalb-Zimmer-Einheiten vorgesehen, ergänzt durch kleinere Wohnungen für Paare, Einzelpersonen und ältere Menschen. Maisonettewohnungen in den unteren Geschossen mit eigenem Gartenbezug ermöglichen einen Lebenszyklus im Quartier: Wer als Familie einzieht, kann im Alter im selben Quartier bleiben und in eine kleinere Geschosswohnung wechseln. So entsteht eine Nachbarschaft, in der unterschiedliche Generationen und Lebensformen Platz finden.
Wohnen, das mehr ist als vier Wände
Zwei Häuserzeilen umschliessen einen grosszügigen gemeinschaftlichen Hof – das Herzstück der Überbauung. Hier können Kinder spielen, Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch kommen, Bewohnende zusammenkommen. Das Quartierinnere bleibt verkehrsfrei; wer mit dem Auto kommt, parkiert in der Tiefgarage am Rand des Areals. Die filigrane Holzfassade fügt sich behutsam in die Landschaft ein und lässt den Blick auf Dorf, Schloss und Rhein offen. Beidseitig vorgelagerte Lauben und Loggien schaffen attraktive Aussenbereiche für alle Wohnungen.
Ökologisch und zukunftsgerichtet
Das Projekt orientiert sich am SNBS-Hochbau-Standard Stufe Gold. Eine Grundwasser-Wärmepumpe liefert die Hauptwärme, Photovoltaikanlagen auf Dach und Veranden sorgen für ganzjährige Eigenstromproduktion. Natürliche Materialien wie Holz und Lehm prägen das Innere, extensive Dachbegrünung und dezentrale Versickerungsflächen das Äussere. CO₂-armer Beton und eine Hybridbauweise aus Holz und Massivbau unterstreichen den ökologischen Anspruch.
Etappenweise Realisierung
Das Projekt wächst mit der Zeit. In einem ersten Schritt entstehen 2029 bis 2030 rund 38 bis 40 Wohnungen in zwei Häusern. Weitere Etappen ermöglichen eine schrittweise Erweiterung auf insgesamt bis zu rund 100 Wohnungen, abhängig von der Zonenplanung und der künftigen Entwicklung des Areals.
Die Bürgergemeinde Chur baut nicht, um zu verkaufen. Sie baut, um langfristig Verantwortung zu übernehmen – für die Menschen in der Region und für kommende Generationen. «EQUILIBRIO» schreibt diese Geschichte weiter.